Kühnes Kletterhallenkollektiv

Seit einigen Jahren gehen in der Magdeburger Kletterszene immer mal wieder Gerüchte um, jemand würde eine Kletterhalle bauen wollen. Da waren interessante Ideen dabei oder coole Locations, aber es waren nie mehr als Gerüchte und bis auf den Großen Angerfelsen im Elbauenpark sahen die Klettermöglichkeiten direkt in Magdeburg stets dürftig aus, speziell im Winter.

In diesem Jahr nun tauchten gleich zwei Projekte am Horizont auf, die wesentlich konkreter aussehen. Zunächst machte im April ein Link auf das Projekt Solid Rock die Runde. Aus der Szene verlautet, dass die Betreiber wohl Kampfsportler sind und Klettern als Trainingsergänzung für sich entdeckt haben. Die Halle selbst soll gerüchteweise auf dem Gelände der alten Diamantbrauerei sein und einen Kletter- und Boulderbereich beinhalten: 600m² und 150m². Viel mehr ist bisher nicht rauszukriegen, zumal die Jungs unter den Kletterern in Magdeburg reichlich unbekannt sind.

Das andere Projekt wurde Anfang Mai das erste Mal der interessierten Öffentlichkeit präsentiert, auf einer Infoveranstaltung in der Uni-Sporthalle. Die Besucher kamen zahlreich und staunten nicht schlecht, als Uta, Micha, Erti und Jens das Projekt »Kletterwerk« vorstellten. In Buckau, hinter dem Gelände der Abtshofbrauerei, haben diese ein Gelände gekauft mit alten Werkshallen, die sich ideal für den Ausbau zur Kletterhalle zu eignen scheinen.1 Die Pläne sind ehrgeizig, die aufgeworfenen Stichworte ambitioniert. Von einem Landesleistungszentrum war zu hören, nationalen und internationalen Wettkämpfen, Zusammenarbeit mit dem Sportzentrum und den Sportwissenschaftlern der Uni, dem USC, dem DAV. Daneben soll die Halle für Schulungen und Firmenevents genutzt werden, kein Wunder eigentlich, wenn man weiß, womit Uta und Erti bisher so ihr Geld verdienen. 😉

Aprospos Geld: ganz billig wird der Spaß nicht und die Finanzierung ist bei alldem wohl der Knackpunkt. Ganz unterschiedliche Töpfe will man anzapfen: öffentliche Förderung, Investorenkapital, Kredite, Erträge usw. – durchgerechnet wird das alles gerade und im Herbst soll es dann in die Antrags- und Genehmigungsphase gehen. Ziel ist die Landesmeisterschaft 2013 in Magdeburg auszurichten.

Auch die Zahlen zu Kletterfläche, Routen, maximaler Höhe lassen einem die Kinnlade runterklappen. Von nicht weniger als 1800m² mit über 180 Kletterrouten in verschiedenen Bereichen und einem zusätzlich 370m² Boulderbereich in der ersten Ausbaustufe war die Rede und das ist nur die erste Ausbaustufe. Bis dahin ist einiges zu tun. Ziel der Veranstaltung war es daher auch bei der lokalen Community um Unterstützung zu werben, um diese von vornherein auch in der Planung zu berücksichtigen. Geboten und gefragt ist da alles mögliche: Mitgestaltungsmöglichkeit, Kontakte und Beziehungen, Öffentlichkeitsarbeit, Feedback, tatkräftig helfende Hände und natürlich auch Geld.

Mir persönlich ist dieser Ansatz sehr sympatisch. Gerade wenn man mit USC und DAV eng zusamenarbeiten will, ist die Einbindung der lokalen Kletterszene wichtig. Dem Betreiberteam kann man nur die Daumen drücken, gerade mit der Konkurrenz der zweiten Kletterhalle wird das Projekt nicht einfach zu stemmen sein.

Interessierte sollten sich die Webseite vom Kletterwerk anschauen, dort gibt es auch ein Blog, wo wohl ab und zu mal Updates zum aktuellen Stand zu finden sein werden, schaut einfach mal auf werk4-md.de vorbei!

  1. Die Bausubstanz wurde/wird geprüft und ist wohl okay. []

Diabolisches Dekor?

Ein Sonntag im Mai – wie auch bereits im letzten Jahr machte ich mich am frühen Nachmittag auf zum Orgelspaziergang, einer ganz wunderbaren Veranstaltung. Auf drei Orgeln der Stadt werden zu drei aufeinanderfolgenden Stunden Konzerte gespielt und der Eintritt ist frei. Ganz konkret spielte in diesem Jahr um 14:00 Uhr im Kloster Unser Lieben Frauen Arvid Gast einige Stücke von Bach. Um 15:00 Uhr erklangen in der Kathedrale St. Sebastian etwas jüngere Stücke mit Matthias Mück an der Orgel. Während des Konzertes fiel mein Blick auf die beiden Beichtstühle an den Seiten der Kirche:

img_2939c

6 × 6 × 6 Felder … was mag sich der Tischlermeister dabei wohl gedacht haben?1 Das Muster an sich ist zusätzlich interessant. Handelt es sich um ein wahlloses Ornament oder ist binär eine Botschaft kodiert in 27 Byte?

Im abschließenden Konzert im Dom zu den Klängen des ganz wunderbaren, modernen Werks »The Planets« von Gustav Holst mit Barry Jordan an der Orgel hatte ich derlei Fragen jedoch längst vergessen und lauschte Musik, Gewitter und Regen. 🙂

  1. Die grünen Rahmen sind übrigens nur zur Veranschaulichung und nicht Teil des Dekors! []