Doofer DNF

Ab und zu schreib ich hier ja mal was über’s Geocaching, das seltsame Hobby mit den GPS-Satelliten und den Tupperdosen im Wald, zum Beispiel letztes Jahr im Sommer: DNF. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich am letzten Wochenende auf der Rückfahrt vom Entwicklertreffen des net(t)work(s) e.V. im Harz.

Die Geschichte beginnt eigentlich schon viel früher. 2009 hatte ich zum Geburtstag einen Schlüsselanhänger in Form eines Plüschtieres geschenkt bekommen und wusste nicht so recht, was ich damit anfangen sollte. Über die letzten Wochen in Norwegen kristallisierte sich der Plan heraus, den zu einem sogenannten Travelbug zu machen. Das sind Dinge, die eine Nummer verpasst bekommen und dann von Geocachern von Cache zu Cache getragen und auf der Geocachingseite geloggt werden. Jeder Travelbug hat eine Mission und der Besitzer betet in der Regel die meiste Zeit, dass er nicht verloren geht.

Die Mission von Ronja fra Trondheim ist, in den Cache Raubgraf bei Blankenburg zurückzukehren, nachdem er acht europäische Hauptstädte besucht hat.

Letzten Sonntag in der schönen Oktobersonne dachte ich mir dann, ich sollte vielleicht selbst diesen Cache mal gefunden haben, bevor irgendwann vielleicht mein Travelbug dort landet, doch wie es die Überschrift bereits erahnen lässt: nüscht war. Eine halbe Stunde bin ich da durch den Wald gekrochen und hab unter jede Wurzel geschaut. Nicht mal mein eilig rekrutiertes Suchteam konnte mir helfen. Keine Chance, ich musste ohne die Dose gefunden zu haben heimwärts fahren und konnte dann zu Hause erstmal nur den DNF loggen. 🙁

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Hinderliche Hafeneinfahrt

Dass ich mir vor einigen Monaten ein Luxusgerät für den Empfang von GPS-Signalen gekauft hatte, ist hier wohl schon angedeutet worden. Konkret ist es ein Oregon 450 von Garmin und damit ist sogenanntes »paperless caching« möglich. Das läuft dann so ab, dass man sich1 bevor man losgeht nicht nur die Koordinaten der Caches auf das Gerät lädt sondern auch gleich noch die Beschreibungen mitsamt verschlüsselten Hinweisen und den letzten Logeinträgen. Vor einem Urlaub lädt man sich dann halt mal ein paar hundert Caches auf’s Gerät, so um den Urlaubsort rum. Das ging hier in Nordspanien ganz gut, hier gibt’s recht wenige.

Ja also, was soll ich sagen? Dann kann man losgehen und Caches suchen und weil man ja Urlaub hat und das nicht in Stress ausarten soll, besorgt man sich vorher keine passende Karte für das Gerät sondern hat nur die extrem schlecht aufgelöste vorinstallierte Weltkarte am Start – man könnte also auch die Karte gleich deaktivieren, weil die sowieso nicht hilft. Dann vergisst man das Cachen als vorsätzliche Urlaubsaktivität und nimmt das GPS-Gerät nur aus rein praktischen Erwägungen mit, um zurück zum Bahnhof zu finden oder sich den Ort eines nettes Cafés zu merken. Und jetzt kommt der Clou: unterwegs guckt man ab und zu mal auf’s Gerät und schaut ob vielleicht zufällig Caches in der Gegend sind, man ist ja nicht wegen der Caches unterwegs, aber wenn man schonmal da ist, nicht wahr?! Ganz zufällig ist dann auch ab und zu mal einer in der Nähe, man freut sich, macht einen kleinen Umweg, läuft praktisch direkt drauf zu, nur um dann folgendes festzustellen:

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Das wäre auch noch ein sogenannter Regular gewesen, den zuletzt Leute noch gefunden hatten2 und wo man einen Travelbug hätte absetzen können: GC1N146. Aber der Weg zurück zur letzten Brücke und hin zum Cache wäre 12 km gewesen und dann hätte man auch nochmal wieder zurück gemusst, unmöglich also. 🙁

  1. ja gut, mit Hilfe eines guten Freundes, der den Premium-Account bei geocaching.com hat … []
  2. Nicht selbstverständlich hierzulande, die Wartung der Caches wird hier nicht so ernst genommen. []

DNF

DNF heißt Did Not Find und damit soviel wie nicht gefunden, zumindest, wenn es um Geocaching geht. Einen DNF der besonderen Art hatte ich letzte Woche, als ich dienstlich in den Niederlanden unterwegs war. Das kam so …

Ich hatte mir aus einer Laune heraus ein Garmin Oregon 450 zugelegt – krasses Teil mit allem möglichen Schnickschnack, u.a. auch Waypoints in Form von Geocaches für’s sogenannte Paperless Caching. Das Raufladen von entsprechenden GPX-Dateien ist auch kein Problem, das Rankommen, an die Dateien schon eher. Wenn man das direkt über geocaching.com machen will, hilft ein Premium Account. Eine komfortable Software für Linux, wo das auch ohne geht und trotzdem die komplette Beschreibung mit Hints und Logs und allem Drum und Dran auf dem Gerät landet, habe ich nicht gefunden und so startete ich mit ein paar Waypoints, wo nicht viel mehr als die Koordinaten vermerkt waren. Weder Difficulty, noch Größe des Behälters oder irgendein Hinweis waren gespeichert, nackte Koordinaten und der Name des Caches.

Ankunft gegen 7 Uhr abends im Hotel, Blick auf’s GPS und siehe da ein Cache namens »First Dutch« in gut 3 km Entfernung.1 Ich dachte so bei mir, dass man das ja auch mal zu Fuß kurz wandern2 könnte, scheint ja schließlich die allererste Dose im freundlichen Nachbarland zu sein, und los ging’s. Als ich nach 5 km realer Strecke kurz vor Sonnenuntergang im Zielgebiet ankam, bot sich mir ein überraschendes Bild:

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Eine riesige Sanddüne breitete sich vor mir aus. Noch 350 Meter bis zum Cache. Das Gerät führte mich zu einem freistehenden Baum. »Wird schon zu finden sein, irgendein klassisches Cacheversteck und dann ab zurück ins Hotel«, dachte ich noch so bei mir, aber da wurde nichts draus. Nach einer viertel Stunde Suchen musste der Telefonjoker herhalten und der las mir dann vor, was ich zuvor keines Blickes gewürdigt hatte: die Cachebeschreibung. Dort hieß es dann, dass man die Koordinaten erstmal vergessen kann und sich die Verbindungslinie zwischen irgendwelchen Bäumen vorstellen und auf der Hälfte mal 20 cm tief nach einer Kiste graben soll. Graben, in einem nur schwer einzugrenzenden Zielgebiet, überstieg dann aber mein zeitliches Budget und Werkzeug hatte ich schließlich auch keins dabei, so dass ich den Versuch GC1C6 zu finden dann abbrach.

Der Rückweg war ähnlich lang und am Ende des Tages war ich 10 km gelaufen. Hätte ich die Beschreibung vorher gelesen, wäre ich das wahrscheinlich nicht gegangen, aber dann wären mir auch ein paar einmalige optische Eindrücke in dieser Dünenlandschaft verwehrt geblieben. Ein paar Bilder gibt’s noch in meinem Fotoalbum, ansonsten haben viele andere Leute, auf der Seite des Caches noch etliche Fotos hochgeladen. Schade zwar, dass ich die Dose dieses besonderen Caches nicht finden konnte, aber die Bilder des riesigen Sandkastens mitten im Wald haben schon entschädigt. 🙂

  1. Hab mal bewusst hier noch keinen Link gesetzt … 😉 []
  2. Moment, war das gerade eine unbewusste Monkey-Island-Referenz? []

»Das ist doch das Schöne am Cachen!«

Es begann als typischer Montag Morgen hier. Aus dem Bett gequält, zum Frühstück einen interessanten Artikel über eine mathematische Formel und deren katastrophale Anwendung im Bankensektor gelesen, gefühlt bis halb drei nur Meetings gehabt und dann gegen vier Feierabend. Der Plan für den Nachmittag: Chef leiht das Auto vom Chef darüber1 und wir kaufen einen Radiator, weil es ja im Winter so kalt hier ist.

Auf dem Weg zu einem der größten Einkaufszentren in Norwegen, das sogar einen Eintrag in der englischen Wikipedia hat, warfen wir die ersten Schneebälle des Winters. Wir reden hier von etwa 250m über dem Meeresspiegel am 12. Oktober!2 Fotos haben wir davon keine gemacht. Für die Trondheimer ist das kalter Kaffee und in Deutschland glaubt das sicher auch mit Foto keiner, dass das frischer Schnee ist und ungefälschte Originalaufnahmen sind.

Eingekauft haben wir dann den gewünschten Radiator, viel zu teure DVD-Rohlinge, kein3 Notebook-Netzteil und ein paar unheimlich günstige silbrige Scheiben mit 12cm Durchmesser und audiovisuell hoffentlich begeisterndem Material.4 Dazu die mittlerweile in diversen Supermärkten gewachsene Erkenntnis, dass es in Norwegen zwar Shrimps in Eimern aber keine Kirschmarmelade zu kaufen gibt.

Auf dem Weg zurück wurde ich dann noch zu einem mittlerweile archivierten GeoCache geführt. Direkt in der Zivilisation erhob sich ein Hügel von im Dunkeln geschätzten vielleicht 5000 m², der mit überaus dichter Vegetation in Form von Bäumen, Sträuchern und ähnlichem Gestrüpp überzogen war. Eine Machete wäre praktisch gewesen. Etwas spannender fand ich da noch die im Urlaub gekauften Wanderschuhe. Das dünne Eis auf der etwa 5cm tiefen Pfütze hielt nicht so sonderlich, Schuh komplett unter Wasser, aber Gore-Tex® ist tatsächlich wasserdicht, schon irgendwie beeindruckend.

Aprospos diese Schuhe: Am Freitag bin ich mit von der Arbeit nassen Socken5 in die Schuhe rein und im Regen nach Haus gefahren. Aus den Schuhen raus, waren die Socken trocken. Das war so ein krasser Living-The-Future-Moment, so wie neulich, wo ich auch beim Cachen mitten im Wald steh – weit abseits der Zivilisation – und erstmal in glasklarer Qualität mit meinem Bruder telefoniert hab, der mehr als tausend Kilometer weg in Deutschland war. Amazing!

Achso ja, das Zitat von S. kam nachdem wir dann doch die total versiffte Plastedose gefunden hatten und uns durch das dichte Unterholz zurück zum Auto kämpften. 😉

  1. Zwei Etagen über dem diplomierten Ingenieur fährt man in Norwegen übrigens einen geschätzt 15 Jahre alten Nissan. []
  2. Ich bin immernoch guter Dinge, dass zu meinem Geburtstag auch hier unten Schnee liegt oder wenigstens beim Chef vor der Haustür. []
  3. gab’s nicht []
  4. Unter anderem Tonträger von Metallica und Kings Of Leon []
  5. Ryddedag mit Außeneinsatz. Fragt nicht, deutsches Aprilwetter ist nichts dagegen! []

Geocaching in Trondheim

IMG_8936 Geocaching dürfte mittlerweile vielen Leuten ein Begriff sein. Man schnappt sich einen GPS-Empfänger, sucht sich im Internet (beispielsweise auf geocaching.com) die Koordinaten für eine versteckte Dose und sucht die dann. Wenn man die Dose gefunden hat, trägt man sich dort in ein Logbuch ein, tauscht ein wenig Tand aus, wiederholt den Logbucheintrag auf der Webseite und freut sich. Netter Nebeneffekt: man kommt mal vor die Tür. Einen eigenen GPS-Empfänger habe ich zwar noch nicht, aber dafür ein paar Freunde mit solch einem Gerät, mit denen man gemeinsam auf die Suche gehen kann, einen davon direkt hier in Trondheim.

IMG_8930 Vor meinem Trip nach Norwegen hatte ich in Deutschland knappe 50 Caches gefunden, einige mit M. zusammen, einige mit S. zusammen und ein paar auf eigene Faust ohne GPS-Gerät nur mit Google Maps (möglich aber mit hohem Frustrationspotential), die allermeisten jedoch direkt im Stadtgebiet von Magdeburg. Trondheim hat ungefähr halb so viel Einwohner wie Magdeburg und mit dem Fahrrad hat man schnell die Stadt verlassen in Richtung der Hügel rundrum. Von dort hat man tolle Ausblicke über die Stadt, den Fluss und den Fjord und an solchen Ausblicken sind auch Geocaches versteckt. Das kann man nun sehen wie man will. Man sucht sich tolle Aussichtspunkte und nimmt die Caches auf dem Weg mit, oder man sucht sich ein paar Caches raus und lässt sich von den Aussichtspunkten überraschen. Jetzt im Sommer, bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen ist das ne feine Sache.

IMG_8967 Etwas anders als die Caches direkt in der Stadt sind die direkt in der Natur, wenn man sich etwas von der Stadt entfernt. In der Stadt wird häufig durch die Beschreibung, die markanten Ecken, das Satellitenbild usw. schon recht klar, wo man suchen muss. Mitten im Wald steht man dann im Gestrüpp, sieht im relevanten Radius von etwa 5 Metern nichts als grün und soll dann da eine Dose finden. Die sind nicht immer so gut zu finden, wie in dem nicht mehr genutzten (oder extra dafür aufgehängten) Brutkasten links auf dem Bild oder einfach unter ein paar Steinen versteckt. Einige Caches konnten wir hier nicht finden. Mag sein, dass Elche die wegknuspern, oder sie wurden einfach zu gut vergraben. Naja und den ganzen Wald umbuddeln will man ja dann auch nicht. Im Winter, wenn in ganz Norwegen meterhoch Schnee liegt (hab ich mir sagen lassen), wird es dann erst recht unmöglich die dann noch zu finden. Hängt dann wohl vom persönlichen Geschmack ab, ob man diese Herausforderung gut findet oder doch lieber im Sommer bei gutem Wetter suchen geht.

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Mein bisheriger Favorit von den Caches hier ist Ronja’s Round, der deutsche Soldatenfriedhof. Der Cache selbst ist eher unspektakulär versteckt (siehe Bild im ersten Absatz 😉 ) aber der Ort ist interessant. Hier befinden sich Gräber deutscher Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg. Wir waren an einem warmen Sommernachmittag da, niemand außer uns in Sichtweite, tolles grünes Gras und ein schöner Blick über hügelige Felder zum Fjord, kurz und gut ein sehr ruhiger und friedlicher Ort, aber eben einladend zum Nachdenken, warum er überhaupt existiert. Ich fragte S. ob er wüsste, was die Deutschen im 2. WK in Norwegen gemacht hätten und er wusste überraschend gut bescheid. Norwegen wurde nach anfänglichen Neutralitätsbemühungen und wenige Wochen dauernden Kampfhandlungen im April 1940 von den Deutschen besetzt, hauptsächlich aus kriegstaktischen und wirtschaftlichen Gründen. Die skandinavischen Erzlieferungen waren sehr wichtig für die deutsche Kriegsindustrie. Die Königsfamilie ging ins Exil nach London. Die deutschen Truppen waren bis Kriegsende in Norwegen. Man sieht heute noch etliche Bunker und befestigte Stellungen an den Küsten. Es gab eine große Widerstandsbewegung im Land, als Kriegsschauplatz spielte Norwegen nach der Besetzung 1940 aber keine große Rolle mehr. (Ich lass mich da gern von historisch besser bewanderten Lesern berichtigen oder ergänzen.)

IMG_9030 Alte Befestigungsanlagen haben wir auch bei einigen weiteren Caches gesehen, beispielsweise bei der Tour nach Gråkallen oder um Lade herum, wobei ich den Cache WW2 Dora an einem der beiden großen U-Boot-Bunker noch gar nicht gesucht habe. Das ist dann einer von etwa 150, die man laut geocaching.com hier im Stadtgebiet von Trondheim finden kann. Auf den ersten Blick sind die meisten Caches (im Gegensatz zu Magdeburg) ganz tradionelle, daneben gibt es eine ganze Reihe von Rätselcaches und nur ganz wenige mit mehreren Stationen (sog. Multis). Für die verbleibenden zwei Monate mit gutem Wetter ist das wohl bisschen viel, aber vielleicht bekomm ich ja meine hundert hier voll.