Also manche Tage …

Nine eleven ist heute, also »unser« nine eleven, der1 geschichtsträchtige Tag der Deutschen. Ganz Deutschland feiert ein verdammt wichtiges Ereignis, das sich 1989 abspielte – ist sicher wichtig, solange man sich nicht in Selbstbeweihräucherung verliert, speziell wenn man nicht dabei war und keinen Anteil an der friedlichen Revolution hatte. Insofern fand ich die Aktionen von Greenpeace dieser Tage bemerkenswert, beispielsweise »Klimaschutz kann nur gemeinsam gelingen!«.

Hier in Trondheim … nein, da kann ich keine qualifizierte Meinung zu abgeben,2 ob das bei den Norwegern hier ankommt oder gar wichtig ist. Hier passiert aber unabhängig davon kurioses, zumindest in meiner kleinen Welt heute.

Nummer eins: da haben Leute am Wochenende Zeugs aus einem nicht abgeschlossenen Büro bei uns rausgetragen. Vermutlich sind sie durch eine provisorische Tür ins Gebäude gekommen, die nicht so gut verschlossen war, wie die anderen. Beute: ein Laminiergerät und eine IKEA-Tüte – die überaus coolen Atemgeräte oder die fetzigen bunten Post-it® aus Recycling-Papier haben sie liegen lassen. Selbst schuld!

Nicht lang danach haben wir dann mal erfolgreich den Gasalarm ausprobiert. Fazit: die Sensoren, die Wasserstoff detektieren sollen, tun das tatsächlich. Die Notfallventile werden dicht gemacht und das Gebäude wird erfolgreich evakuiert. Nur bisschen kühl ist es in der halben Stunde draußen vor der Tür bis die Feuerwehr verifiziert hat, dass keine Gefahr mehr besteht. Achso ja, war nicht mit Absicht, Prozedur war richtig, alles weitere nennt man wohl Verkettung unglücklicher Umstände. Die Experten waren ein bisschen ratlos, wirkliche Gefahr bestand aber zu keiner Zeit und beim nächsten Gasflaschen wechseln vorsichtig sein sollte ausreichen.

Aller guten Dinge sind drei. Was mir in 10 Jahren als Brillenträger nicht passiert ist: heute war es soweit. Beim Aufsetzen des Fahrradhelms und Rumfummeln mit dem Schlauchtuchding über die Kopfhörer vom iPod und unter den Fahrradhelm hab ich die Brille fallen lassen. Glas gegen Fliesen ging heute 0:1 aus und das linke Glas besteht jetzt aus zwei Hälften plus etliche schwer zu zählende Splitter – fünf Wochen bevor es wieder nach Deutschland geht.3 Jetzt überlege ich natürlich, ob ich mal zum Optiker gehe und mir eine grobe Schätzung für neue Gläser geben lasse oder hier die restliche Zeit so über die Runde komme. *hmpf*

Hmm nochwas? Zwei Kleinigkeiten noch. Nach wochenlanger Leere im Briefkasten heute gleich drei Sendungen. Die Rechnung für das Jahresabo c’t war deutlich höher als zu Studentenzeiten und meine ersten Travel Bug Dog Tags sind angekommen. Damit werde ich dann den plüschigen Schlüsselanhänger, den ich von meinen »Schwiegereltern«4 geschickt bekommen habe, auf direktem Weg zurück nach Blankenburg schicken.5

Ach und an dieser Stelle einen lieben Gruß an meine Mitbewohner in Magdeburg, die gerade in den Geburtstag von A. reinfeiern, und herzlichen Glückwünsch an A. natürlich! Bald ist die schöne Zeit vorbei und ich bin wieder da … 😛

  1. ja wirklich, siehe allwissende Müllhalde []
  2. auch wenn Holgi im Bluemoon auf Radio Fritz! das heute gern so hätte []
  3. Schon der dritte Halbgeviertstrich in diesem Beitrag. Super, oder? []
  4. genau so stand das in der Geburtstagskarte!!1elf! []
  5. für die Freaks: TB2R0CX nach GCM3NE []

Here Be Dragons

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Wie beginnt man einen Blog-Eintrag, wo man drei wirklich nur sehr lose verbundene Themen irgendwie verknüpfen will? Am besten räume ich mal mit der losesten Verbindung zu Anfang auf. Wir waren heute auf dem Hügel hier in der Nähe des deutschen Soldatenfriedhofs nahe der Kirche, die auf dem Bild oben zu sehen ist. Um den Lenkdrachen steigen zu lassen, fehlte es leider die meiste Zeit an Wind.1 Solche Drachen heißen auf englisch nicht etwa dragon sondern kite. Dennoch war es ein weiterer Tag mit schönem2 Wetter diese Woche und ich nahm wiederum tolle optische Eindrücke von diesem Ort mit, wie auch die letzten Male, ein bisschen magisch scheint er zu sein, wenn man so will.

Die düster dargestellte Kirche, lässt mich die Überleitung zu dem zweiten Thema finden. Die Christlich Demokratische Union hat nun mit ihrer »sozialen« Schwesterpartei und Kollege Westerwave dieser Tage einen Koalitionsvertrag zusammengezimmert, der den Weg in die soziale Kälte in Deutschland klar vorgibt. Ganz düster sowas. Holgi hat das heute nachmittag bei Twitter schon kommentiert und fefe hat sich den Mist tatsächlich durchgelesen.3 Andere sehen es übrigens ähnlich düster4 und ich kann wenigstens die resignierte Empfehlung von Benjamin Birkenhake stützen, doch mal das Buch Farenheit 451 zu lesen – dort treten passend zur Überschrift ja auch so ‘ne Art feuerspeiende Drachen auf.

Tja und schlussendlich ist »Here Be Dragons« auch das Thema des diesjährigen Chaos Communication Congress 26C3, der wie jedes Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr5 in Berlin stattfindet. Mal schauen, ob ich es schaffe, mal einen Tag dort vorbei zu schauen. Ein paar gute Freunde haben schon die Absicht geäußert sich dort ein paar interessante Vorträge anzuhören und zusammen fährt sich’s leichter in die große Stadt.

  1. Mehr Fotos an üblicher Stelle. []
  2. trocken und sonnig, wenn auch kalt []
  3. Ich weiß, ich weiß, fefe’s Blog ist nicht die NY Times. []
  4. wie auch der Spiegelfechter heute bei Telepolis []
  5. dieses Jahr genauer gesagt vom 27.12. bis 30.12. []

Das erste Mal

In meinem letzten Beitrag hatte ich berichtet, dass ich jetzt regelmäßig bouldern gehe. Eine gute Nachricht Freunde1 – die Regelmäßigkeit wurde bisher nicht unterbrochen.

Dienstag diese Woche war Bouldern, wie ich mir das vorstelle. Nette Leute, so etwa ein halbes Dutzend, alle etwa auf dem gleichen Niveau. Man probiert dann gemeinsam an ungefähr ähnlich vielen Routen (nacheinander, nicht parallel) mit dem notwendigen Anfeuern und Freuen und ist am Ende richtig fertig. Hinterher wollte ich eigentlich unten an der Brücke einen Hamburger kaufen zum Abendessen. Hab ich am Dienstag aber sein lassen, weil es ziemlich voll war. Im Supermarkt an der Kasse ist mir dann aufgefallen, dass auch die Tiefkühlpizza mittlerer Preisklasse über 50 NOK kostet, hätte ich auch die 73 NOK für den leckeren Burger ausgeben können.

Nunja, das mit dem Burger hab ich dann heute nachgeholt und bei schön trockenem Wetter2 auf dem Heimweg gegessen.

Kommen wir zur Überschrift, genauergesagt zu deren Erklärung. Zu Hause angekommen beschloss ich nämlich, dann doch mal in das nette kleine Café in dem niedlichen roten Holzhaus an der Ecke unweit meines Kellerappartements zu gehen. Hab ich also das Buch, was ich derzeit lese, mitgenommen3 und mir einen doppelten Espresso bestellt. Eine halbe Stunde gemütlich im Café sitzen und lesen und es war genauso wie ich es mir immer vorgestellt hab… 😀

  1. siehe Futurama []
  2. die ganze Woche ist es hier schon überraschend trocken []
  3. The Drawing of the Three aus der Dark Tower Serie von Stephen King []

Dicke Arme für den Winter

Wenn eine Frau sagt: »Geh Bouldern!« Wenn eine andere Frau fragt, ob man mit zum Bouldern geht?1 Wenn man die Kletterschuhe für die harten Routen eingepackt hat und das coole Shirt aus Italien nicht nur unter dem dicken Pulli tragen will. Wenn man zur Halle nur zwei Minuten vom Büro den Berg runterrollt, der Eintritt pauschal bis Weihnachten abgegolten wird und die Öffnungszeiten von vor dem Aufstehen bis spät in den Abend reichen. Was hält einen da noch gleich vom Bouldern ab? Genau – nichts!

Da war ich dann heute das erste Mal in dem Keller,2 den mein Chef als klein, voll und muchtig beschrieben hatte. Klein stimmt nicht, zumindest nicht verglichen mit den mir bekannten Indoor-Boulder-Möglichkeiten in Magdeburg. Schätzungsweise 50 Meter Wand kommen da schon zusammen, von senkrechter Wand über stark überhängend bis Dach alles dabei. Komplett mit weichen Matten ausgelegt und die Luft ist logischerweise recht staubig, über den dritten Punkt könnte man sich also streiten. Voll war es, war aber auch zu erwarten so zwischen 6 und 8 Uhr abends. Aber es war nicht zu voll, es war genug frei und viel möglich.

Die Routen werden natürlich vom Boulderer selbst definiert. Ein paar nette waren heute schonmal dabei. Da geht definitiv was. Wenn ich’s bis Weihnachten zweimal die Woche dahin schaffe, hab ich sogar den Pauschalbetrag gegenüber dem einfachen Eintritt raus, insofern steht der Plan quasi.

Erwähnenswert am Rande: die nebenbei laufende Musik kam mir überraschend bekannt vor. Da muss ich die Schwedin aus dem Büro nebenan morgen direkt nochmal fragen, ob sie die Band aus ihrer Heimatstadt erkannt hat. Gespielt wurde das Album Clayman der Band In Flames, fetter Göteborg-Metal. *gg*

  1. Obwohl ich annehme Leser zu haben, die mit Begriff nichts anfangen können, erklär ich das heute mal nicht extra. Steht alles ausführlich bei der allwissenden Müllhalde. []
  2. sagt der Boulderer so, auch wenn’s ebenerdig ist []

Eine Runde um den Fahrradlift

Im Beitrag »Geocaching in Trondheim« hatte ich geschrieben, dass man hier immer mal wieder auf Relikte aus dem zweiten Weltkrieg trifft. Bei einer kleinen Cache-Tour letztens nach der Arbeit, zeigte sich das wieder. Das Bild unten ist von einem Cache nahe eines schönen Aussichtspunkt aufgenommen und man sieht hier mal die zuvor erwähnten U-Boot-Bunker.

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IMG_9121 Auf dem Rückweg von den Geocaches kam ich dann zufällig am oberen Ende des weltweit ersten und immernoch einzigen Fahrradlifts vorbei. Wie muss man sich das nun vorstellen? Vergleichbar ist das mit einem Schlepplift beim Ski fahren. Man hat an einer sehr steilen Straße am unteren Ende einen Automaten, wo man die Tour bezahlt, dann kommt da so ein Teil aus dem Boden, wo man mal kräftig seinen Fuß draufstellt und sein Gewicht drauf verlagert und dann wird man mitsamt Fahrrad den Berg hoch geschoben. Das können dann sogar mehrere Leute gleichzeitig machen. Ich habe es leider noch nicht live gesehen, obwohl es laut der offiziellen Webseite recht viele Leute machen sollen. Ein paar Informationen gibt es auch noch bei Wikipedia und ich habe im Netz sogar ein Video gefunden, wo das auch gezeigt wird:

Geocaching in Trondheim

IMG_8936 Geocaching dürfte mittlerweile vielen Leuten ein Begriff sein. Man schnappt sich einen GPS-Empfänger, sucht sich im Internet (beispielsweise auf geocaching.com) die Koordinaten für eine versteckte Dose und sucht die dann. Wenn man die Dose gefunden hat, trägt man sich dort in ein Logbuch ein, tauscht ein wenig Tand aus, wiederholt den Logbucheintrag auf der Webseite und freut sich. Netter Nebeneffekt: man kommt mal vor die Tür. Einen eigenen GPS-Empfänger habe ich zwar noch nicht, aber dafür ein paar Freunde mit solch einem Gerät, mit denen man gemeinsam auf die Suche gehen kann, einen davon direkt hier in Trondheim.

IMG_8930 Vor meinem Trip nach Norwegen hatte ich in Deutschland knappe 50 Caches gefunden, einige mit M. zusammen, einige mit S. zusammen und ein paar auf eigene Faust ohne GPS-Gerät nur mit Google Maps (möglich aber mit hohem Frustrationspotential), die allermeisten jedoch direkt im Stadtgebiet von Magdeburg. Trondheim hat ungefähr halb so viel Einwohner wie Magdeburg und mit dem Fahrrad hat man schnell die Stadt verlassen in Richtung der Hügel rundrum. Von dort hat man tolle Ausblicke über die Stadt, den Fluss und den Fjord und an solchen Ausblicken sind auch Geocaches versteckt. Das kann man nun sehen wie man will. Man sucht sich tolle Aussichtspunkte und nimmt die Caches auf dem Weg mit, oder man sucht sich ein paar Caches raus und lässt sich von den Aussichtspunkten überraschen. Jetzt im Sommer, bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen ist das ne feine Sache.

IMG_8967 Etwas anders als die Caches direkt in der Stadt sind die direkt in der Natur, wenn man sich etwas von der Stadt entfernt. In der Stadt wird häufig durch die Beschreibung, die markanten Ecken, das Satellitenbild usw. schon recht klar, wo man suchen muss. Mitten im Wald steht man dann im Gestrüpp, sieht im relevanten Radius von etwa 5 Metern nichts als grün und soll dann da eine Dose finden. Die sind nicht immer so gut zu finden, wie in dem nicht mehr genutzten (oder extra dafür aufgehängten) Brutkasten links auf dem Bild oder einfach unter ein paar Steinen versteckt. Einige Caches konnten wir hier nicht finden. Mag sein, dass Elche die wegknuspern, oder sie wurden einfach zu gut vergraben. Naja und den ganzen Wald umbuddeln will man ja dann auch nicht. Im Winter, wenn in ganz Norwegen meterhoch Schnee liegt (hab ich mir sagen lassen), wird es dann erst recht unmöglich die dann noch zu finden. Hängt dann wohl vom persönlichen Geschmack ab, ob man diese Herausforderung gut findet oder doch lieber im Sommer bei gutem Wetter suchen geht.

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Mein bisheriger Favorit von den Caches hier ist Ronja’s Round, der deutsche Soldatenfriedhof. Der Cache selbst ist eher unspektakulär versteckt (siehe Bild im ersten Absatz 😉 ) aber der Ort ist interessant. Hier befinden sich Gräber deutscher Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg. Wir waren an einem warmen Sommernachmittag da, niemand außer uns in Sichtweite, tolles grünes Gras und ein schöner Blick über hügelige Felder zum Fjord, kurz und gut ein sehr ruhiger und friedlicher Ort, aber eben einladend zum Nachdenken, warum er überhaupt existiert. Ich fragte S. ob er wüsste, was die Deutschen im 2. WK in Norwegen gemacht hätten und er wusste überraschend gut bescheid. Norwegen wurde nach anfänglichen Neutralitätsbemühungen und wenige Wochen dauernden Kampfhandlungen im April 1940 von den Deutschen besetzt, hauptsächlich aus kriegstaktischen und wirtschaftlichen Gründen. Die skandinavischen Erzlieferungen waren sehr wichtig für die deutsche Kriegsindustrie. Die Königsfamilie ging ins Exil nach London. Die deutschen Truppen waren bis Kriegsende in Norwegen. Man sieht heute noch etliche Bunker und befestigte Stellungen an den Küsten. Es gab eine große Widerstandsbewegung im Land, als Kriegsschauplatz spielte Norwegen nach der Besetzung 1940 aber keine große Rolle mehr. (Ich lass mich da gern von historisch besser bewanderten Lesern berichtigen oder ergänzen.)

IMG_9030 Alte Befestigungsanlagen haben wir auch bei einigen weiteren Caches gesehen, beispielsweise bei der Tour nach Gråkallen oder um Lade herum, wobei ich den Cache WW2 Dora an einem der beiden großen U-Boot-Bunker noch gar nicht gesucht habe. Das ist dann einer von etwa 150, die man laut geocaching.com hier im Stadtgebiet von Trondheim finden kann. Auf den ersten Blick sind die meisten Caches (im Gegensatz zu Magdeburg) ganz tradionelle, daneben gibt es eine ganze Reihe von Rätselcaches und nur ganz wenige mit mehreren Stationen (sog. Multis). Für die verbleibenden zwei Monate mit gutem Wetter ist das wohl bisschen viel, aber vielleicht bekomm ich ja meine hundert hier voll.